Calciumzufuhr mit Tropic Marin

  • Hallo zusammen,


    im Eröffnungs-Thread von unserem Board bestand besonderes Interesse an der Balling-Methode und der neuen Art der organischen Calcium-Zufuhr mit All-For-Reef. Hier nun eine detaillierte Erklärung zum Thema Calcium-Zufuhr mit Tropic Marin.


    Unser Tropic Marin Original Balling: Ist tatsächlich schon leicht abgewandelt, weil durch die Mischung von Natriumhydrogencarbonat und Natriumcarbonat eine andere Menge an Teil B benötigt wird, der Ansatz, erst einmal im stöchiometrischen Verhältnis zu dosieren, bleibt aber gleich. Durch die Mischung von Hydrogencarbonat und Carbonat im B wird ein höherer pH-Wert und vor allem eine deutlich bessere Löslichkeit erreicht.


    Das Prinzip der stöchiometrischen Dosierung bei der Balling-Methode geht von folgenden chemischen Voraussetzungen aus:


    CaCl2-6H2O + 2 NaHCO3 --> CaCO3 + 2 NaCl + CO2 + 7 H2O
    1 Mol Calciumchlorid-6H2O + 2 Mol Natriumhydrogencarbonat --> 1 Mol Calciumcarbonat (Kalk) + 2 Mol Kochsalz + 1 Mol CO2 + Wasser


    Das Kochsalz auf der rechten Seite wird dann mit kochsalzfreiem Meersalz im richtigen Verhältnis ausgeglichen, so dass nur Kalk und vollständiges Meersalz und etwas CO2 übrig bleiben. Die Mischung von Natriumhydrogencarbonat und Natriumcarbonat funktioniert im Prinzip ganz genauso, nur dass rechts weniger CO2 entsteht.


    Wenn man jeweils 5 l Original Balling A, B und C zuführt, hat man Meersalz für etwa 10 l Meerwasser zugeführt.


    Der Anstieg von Dichte/Leitfähigkeit/Brechung kann also nach Zufuhr von je 1 l der drei Balling-Lösungen mit zwei Liter Umkehrosmose-Wasser ausgeglichen werden. Also entnimmt man dann 2 l Aquarienwasser und füllt mit UO-Wasser auf oder lässt von der Auffüllanlage auffüllen.


    Die Erhöhung der Leitfähigkeit durch Original Balling ist durch das zugeführte Na+ und Cl- ca. 85 % und 15 % durch das NaCl-freie Meersalz.
    Erwartungsgemäß sehen die Änderungen der Brechung etwas anders aus, die Erhöhungen gemessen mit dem Refraktometer entfallen zu 78 % auf NaCl und 22 % auf NaCl-freies Meersalz.
    Der Unterschied ist darin begründet, dass die einwertigen, sehr beweglichen Na+- und Cl--Ionen die Leitfähigkeit besonders stark erhöhen. Das Balling C besteht überwiegend aus Magnesiumsalzen und erhöht deshalb die Leitfähigkeit weniger stark.


    Die Menge an Calciumcarbonat (Kalk), die mit jeweils 5 l Balling-Lösungen zugeführt wird, ist 2,5 Mol oder 250 g.


    Zusammengefasst sieht das für Tropic Marin Original Balling so aus:


    380 g Teil A + 378 g Teil B + 120 g Teil C --> 250 g Calciumcarbonat + 400 g vollständiges Tropic Marin Pro-Reef Meersalz, der Rest ist CO2 und Wasser.


    Natürlich kann die Dosierung an den Bedarf des Aquariums angepasst werden, die vorgeschlagenen Verhältnisse sind nur ein Ausgangspunkt. Genauso können Calciumkonzentration oder Karbonathärte eines frisch angesetzten Meerwassers oder eines Aquariums mit den Balling-Salzen angepasst werden. Hier ist man also flexibel, so dass man fast sagen kann, die Balling-Salze (zumindest dasjenige, das man gerade benötigt) gehören zur Grundausstattung eines Aquariums.


    Während Original Balling also ausschließlich mit anorganischen Salzen arbeitet, wird mit Carbo-Calcium, Carbo-Calcium Pulver und All-For-Reef Calcium als organisches Salz zugeführt. Das hierfür verwendete Calciumsalz ist Calciumformiat. Calciumformiat hat den Vorteil, dass es von allen verfügbaren organischen Calciumsalzen die geringste Sauerstoffzehrung hat.


    Formiat kann im Stoffwechsel von Lebewesen, also zum Beispiel von Bakterien und Korallen, zu Hydrogencarbonat abgebaut werden. Somit enthalten Carbo-Calcium und All-For-Reef praktisch Calcium und Karbonathärte in einer Lösung.


    Das Formiat hat gegenüber Hydrogencarbonaten und Carbonate den Vorteil, dass es Metalle wie Calcium und Spurenmetalle nicht ausfällt sondern im Gegenteil vor Reaktionen schützt. So ist es möglich, im All-For-Reef sowohl die kationischen Spurenmetalle wie Strontium, Eisen, Mangan, Kupfer, Zink usw. als auch die anionischen Spurenelemente wie Iod (als I-), Brom (als Br-) und Molybdän (als Molybdat) zu integrieren. Im All-For-Reef sind die Spurenelemente der K+ und A- Elements also schon alle enthalten. Außerdem enthält All-For-Reef noch Magnesium.


    Carbo-Calcium, Carbo-Calcium Pulver oder Original Balling empfehlen wir mit den K+ und A- Elements zu ergänzen.


    Die von uns empfohlenen Verhältnisse wären:


    250 ml K+ Elements auf 5 l Original Balling A und 250 ml A- Elements auf 5 l Original Balling B oder


    100 ml K+ und A- Elements je Liter Carbo-Calcium.


    Es gibt auch eine Formulierung, um mit Carbo-Calcium Pulver, K+ und A- Elements und Bio-Magnesium eine Art All-For-Reef herzustellen:


    140 g Carbo-Calcium Pulver zunächst in ca. 750 ml UO-Wasser lösen (löst sich nicht vollständig) und dann mit je 100 ml K+ und A- Elements zu einem Liter Lösung auffüllen und vollständig auflösen. Zur Magnesium-Ergänzung können noch 12 g Bio-Magnesium hinzugegeben werden.


    Soviel für's Erste zur Calcium- und KH-Zufuhr mit Tropic Marin.


    Grüße


    Hans-Werner

  • Danke für die ausführliche Erklärung.


    Also dosiere ich vom All For Reef meinen gesamten Kalkhaushalt inkl. Spurenelementen aus nur einer Flasche?


    Nach welchem Wert richte ich mich dabei für die Bestimmung der Dosiermenge? Vermutlich richte ich es am Ca aus?


    Bestünde dabei immernoch die Möglichkeit, dass durch einen einseitig erhöhten Verbrauch von z.B. Karbonaten die Werte für Kh und Ca auseinanderdriften? Wie ginge ich in dem Fall vor? Oder ist dies wegen der Bindung ans Ca gar nicht möglich? Werden die Karbonate erst in der Koralle freigesetzt? Dient das normale Salzwasser praktisch nur als "Puffer" in dem Fall?


    Oder habe ich es einfach noch nicht richtig verstanden?


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    Hilfreiche Informationen von der Einrichtung

    bis zum Betrieb des Beckens

  • Hallo Michael,


    ich empfehle generell, erst einmal vor allem die KH zu messen. Die KH-Messung gehört zu den einfachsten, sichersten und aussagekräftigsten Messwerten. Man kann selbst relativ kleine Änderungen bei der Dosierung bei der KH messen. Ich empfehle eine KH von 7 - 8 °dKH.


    Calcium würde ich anfangs 1 bis 2 mal die Woche messen, dann alle 1 - 2 Wochen.


    Selbst wenn die Korallen das Formiat als solches aufnehmen, was wir nicht wissen, theoretisch können sie es verstoffwechseln, wäre es ein Anion, das sie anstelle des Hydrogencarbonates aufnehmen würden. Somit hätte dieser Vorgang auch eine Auswirkung auf die Karbonathärte, die erhalten bleibt.


    In manchen Aquarien wird das mit dem Calciumformiat dosierte Formiat scheinbar nicht sofort als KH messbar sondern erst etwas später, wenn sich die Bakterien entsprechend entwickelt haben. Das sollte man im Hinterkopf behalten. Insgesamt halte ich die KH aber für die beste Information über den Versorgungsstand und für die weitere Dosierung.


    Also, erstmal KH und Calcium messen, KH aber öfter.


    Gruß


    Hans-Werner

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