Sie sind nicht angemeldet.

marswolf

Anfänger

  • »marswolf« ist der Autor dieses Themas
  • Deutschland

Beiträge: 10

Wohnort: Freiburg

Beruf: Lee(h)rer

Aktivitätspunkte: 95

Danksagungen: 6

  • Nachricht senden

1

Sonntag, 15. März 2015, 11:15

Bau eines Unterschrankes für Dennerle nano cube 60l

Hallo allerseits,

nachdem ich letztes Jahr mit Meerwasser beginnen wollte, hat es sich leider auf dieses Jahr verschoben. Damals versprach ich, eine Anleitung zu einem Unterbauschränkchen zu veröffentlichen, was ich hiermit nun tue.

So schauts aus, wenn es fertig ist (zur Motivation):
(als Dateianhang, da der Bilderupload nicht funktioniert gerade...)


Ich suchte für mein Dennerle 60l Becken ein passendes Unterbauschränkchen. Leider waren die angebotenen auf dem freien Markt zum Einen recht teuer, die mir gefallen haben (250,- € aufwärts) zum Anderen nervte mich aber eines gewaltig: jetzt hat man ein wunderschönes nano cube mit abgerundeten Ecken an den Fronten und was machen die Hersteller? ein Unterbauschränkchen, das komplett eckig ist. In meinen ästhetischen Augen eine kleine Schande.

Da ich Modellflieger und Bastler bin musste eine Lösung her mit folgenden Anforderungen:
  • Materialkosten: unter 100,- €
  • vorne runde Kanten, die die abgerundeten Kanten des nano cube Glases aufnehmen
  • muss fähig sein knapp 100kg Gewicht stabil zu halten
  • klappbare Türe mit selbstständigem schließen
  • Schränkchen soll alles aufnehmen, was man zum Betrieb benötigt
  • möglichst simpler und einfacher Aufbau um bereits im Besitz befindliche Werkzeuge zu nutzen
Die einzige Hürde war: wie bekomme ich die Rundung vorne sauber hin? Eine große Fräse habe ich nicht. Von Hand schleifen wird zu ungenau und wellig und braucht viel Zeit. Zu einem Schreiner bringen kostet viel zu viel Geld. Abhobeln ist ebenfalls zu ungenau und zu zeitaufwendig. Die Lösung: man nehme einen Viertelrundstab, klebt dieses an die Front links und rechts, füttert mit einem Vierkantstab auf, der Rest macht die Folie. Ergebnis: traumhaft! Die Rundung wird exakt weitergeführt. Es sieht aus wie aus einem Guss.

Ich entschied mich zum Bau mit MDF Platten in der Stärke 22mm: zum einen recht günstig und sehr einfach bearbeitbar, sehr stabil und schwer. Da wackelt später nichts mehr. Mein Unterbauschränkchen hat ca. 40kg Gewicht, das es aber haben darf um den nano cube sicher zu halten.

Hier nun die Materialliste für ein Unterbauschränkchen mit 90cm Höhe (basierend auf 22mm MDF-Platten aus dem Baumarkt: im Holzzuschnitt dort exakt zusägen lassen):
  • 2x Seitenwände (900mm x 357mm x 22mm)
  • 1x Rückwand (900mm x 336mm x 22mm)
  • 1x Fronttür (898mm x 356mm x 22mm)
  • 1x Deckel (336mm x 335mm x 22mm)
  • 1x Boden (336mm x 335mm x 22mm)
  • Xx Zwischenböden (336mm x 332mm x 22mm: Anzahl nach belieben, ich habe zwei Zwischenböden drin)
  • 1x Viertelrundstab mit 12mm (bei Fußbodenleisten meist zu finden, ist gewöhnlich 2,40m bis 2,70m lang)
  • 2x 1m oder 0,90m Vierkantstab mit 10mm x 10mm (meist bei den Modellbauleisten zu finden, Holz, welches egal)
Wichtig bei dem Viertelrundstab und Vierkantstab: möglichst gerade sollten sie sein. Am Besten die Flucht anvisieren, dann sieht man sofort, ob das Holz nicht verzogen ist.
  • Spax Schrauben (Packung mit 300 St. in Größe 3x16)
  • Winkelverbinder 40mm x 40mm mit je 3 Löchern pro Seite (30 Stück oder mehr bei mehr Innenböden)
  • Möbel-Folie (d.c.fix oder Ähnliches: Tipp: matte Folie nutzen: verzeiht Baufehler und Schmutz viel stärker als glänzende Oberflächen)
  • Filzgleiter (Empfehlung: große Filzgleiter, die genagelt werden können und in einer Plastik“führung“ eingebaut sind/ Klebegleiter dürften auch gehen, aber beim verschieben sich lösen)
  • 2 Türscharniere (blum oder Ähnliches. Achtung: Türschnarnier ist eine Wissenschaft für sich. Am Besten zu einem Mitarbeiter des Baumarktes gehen und explizit fragen und sagen, was man möchte. Hier war es: SoftClose (Scharnier zieht selbstständig zu und schließt sehr sanft), Scharnier für „außen“ anliegende Tür (braucht speziellen Hebel)
Benötigte Werkzeuge:
  • „Pussy“schrauber wie Bosch IXO oder ähnliches (von Hand gibt bei der Menge an Schrauben nur Blasen und frisst enorm viel Zeit)
  • Kreppband (zum Fixieren der Leisten)
  • Ponal express oder anderer Holzleim, Kleber…
  • Bastelsäge (zum Kürzen der Leisten)
  • normaler Haarfön (zum Aufbringen der Möbelfolie)
  • Scharniertopfbohrer (günstig über amazon zu beziehen, im Baumarkt meist sehr teuer)
  • ggfs. kleine Fräse (Dremel reicht mit Fräsaufsatz/ Löcher in Rückwand für Stromversorgung)
  • ggfs. Staubsauger (hilfreich beim Fräsen)
  • ggfs. Schmirgelpapier von 80er bis 120er Körnung (wenn vorher „unsauber“ gearbeitet wurde)
Schritte:
  1. alles wie oben beschrieben einkaufen und bereitlegen. Dauer des gesamten Aufbaus: ca. 5-8 Stunden, wenn man alleine arbeitet
  2. Fronttür an den Seiten den Viertelrundstab (der darf bissle länger sein, kann man später sauber mit der Laubsäge abkürzen und anpassen) mit Kreppband sauber fixieren, abklappen, Ponal auftragen, zuklappen, fixieren und warten, warten, warten (und mit Schritt 4 schon weiter machen, danach zurück zu Schritt 3)
  3. an den Viertelrundstab nun den Vierkantstab anbringen, mit Kreppband sauber fixieren, abklappen, Ponal auftragen, zuklappen, fixieren und warten, warten, warten
  4. eine Seitenwand auf den Boden legen und die Rückwand an der langen Kante darauf exakt ausrichten (ich habe die Seitenwand auf dem Boden direkt an ein gerades Expedit Regal geschoben, dann die Rückwand direkt dran aufgestellt: damit war es exakt ausgerichtet, kommt aber aufs Regal an)
  5. jetzt mit mindestens zwei Winkeln (oben und unten, aber genug Platz lassen für Deckel und Boden) verschrauben (einzige kleinere Schwierigkeit: exakt in die Mitte der Löcher der Winkel spaxen, sonst verschiebt sich das und es entstehen kleine Spalten zwischen den Wänden. Sauber hier arbeiten lohnt sich. Spalten unter 1mm sollten das Ziel sein, diese werden später von der Folie überdeckt. Tipp: jeden Winkel erst nur mit je einer Schraube pro Seite spaxen. Wenn alle Winkel fix sind und alles gut ausschaut die restlichen Löcher „füllen“, da darfs auch etwas schneller und „ungenauer“ sein)
  6. jetzt Deckel und Boden anbringen und mit Winkeln fest spaxen (je zwei Winkel zu den Seiten, zwei zur Rückwand)
  7. andere Seitenwand anbringen und festspaxen/ Glückwunsch: Jetzt ist der große Korpus schon im Rohbau fertig.
  8. im großen Korpus nun mittig direkt oben und unten Löcher sägen oder einfräßen (Zuleitung bzw. Ableitung von Stromkabeln…) oder ausbohren (wie es beliebt) - Helfer mit Staubsauger in der Hand sind hierbei herzlich willkommen
  9. nach belieben Innenböden einfügen und mit Winkeln an Seitenwänden und Rückwand spaxen aber VORHER hinten Löcher fräsen, sägen oder durchbohren, wo Stromkabel mit Stecker durchpassen sollten (Zuleitungen/ Ableitungen) Ich persönlich nutze pro Deckel/ Boden und Innenboden fünf Winkel (zwei rechts, zwei links, einer hinten)
  10. Fronttür gegebenenfalls die angeklebte Rundung korrekt ablängen
  11. jetzt geht es ans bekleben der gesamten Einheit. Wichtig hierbei: alles sauber machen, absaugen, abstauben, keine Dreckchen sollten mehr auf dem Holz sein
  12. ich ging wie folgt vor: zuerst Seitenwände, dann Rückwand: mit Fön fixieren, besonders um Ecken rum. In einer Hand immer einen weichen Lappen und dann feste nach Erhitzung andrücken. Anfangs recht schwierig, bis man sich an das Material gewöhnt hat, dann aber gehts ganz gut (Anleitungen zu d.c.fix im Internet auf deren Homepage und auf YouTube sich reinziehen, dann gelingt es: http://www.d-c-fix.com/seiten/tipps/tools-videos/ )
  13. Die Fronttüre ebenfalls mit Folie beziehen, an den Ecken wird es schwierig, hier gerne einschneiden
  14. Empfehlung: die Innenböden ebenfalls mit Folie auskleiden: verhindert quellen des MDF und man kann gedankenlos feuchte Gegenstände reinschmeissen
  15. die Türscharniere anbringen, in die Fronttüre mit dem Scharniertopfbohrer die Töpfe bohren ACHTUNG: hier große Sorgfalt walten lassen. Macht man den Topf zu weit innen, dann öffnet die Tür nicht mehr richtig, zu weit außen, wird die Tür total verschoben sein. Ich musste neue Töpfe bohren, da die ersten zu weit innen lagen und die Tür sich nur halb öffnen lies. Mein Topf hat einen Abstand zur Kante von 9mm. Das ist aber von Scharnier zu Scharnier unterschiedlich.
  16. Am Boden die Filzgleiter sauber einnageln
  17. die Türscharniere am endgültigen Standort anpassen (da kann man einiges noch feintunen)
  18. fertig (oben die schwarze Matte drauf, cube drauf, verkabeln, einrichten,…)
So, ich wünsche Euch viel Glück bei der Umsetzung.

Wenn Fragen sind: nur zu.

Eine grobe Skizze zum Zusammenbau habe ich angehängt.

So long,

Marcel
»marswolf« hat folgende Bilder angehängt:
  • 01.jpg
  • 02.jpg
  • SchrankCube.jpeg

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »marswolf« (15. März 2015, 11:21)


Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Schriimp (15.03.2015), Froschmannxl (15.03.2015), Chero (15.03.2015), Sabbu (06.04.2018)

Schriimp

Perfektionist

    Deutschland

Beiträge: 486

Wohnort: Nähe Heilbronn

Beruf: Abteilungsleiter

Aktivitätspunkte: 2560

Danksagungen: 112

  • Nachricht senden

2

Sonntag, 15. März 2015, 11:31

Wow :6_small28:

Das Teil sieht super aus!
Ich finde es wirklich super das du dir die Mühe gemacht hast diese Anleitung zu schreiben, echt klasse.
Ich stand nämlich vor dem gleichen Problem und habe dann ein Kallax Regal vom Schweden mit einer Rückwand verstärkt, hält auch aber sieht bei weitem nicht so stylisch aus!
Da muss ich mir doch echt mal überlegen ob ich mich nicht morgen auf in den Baumarkt mache :EVERYD~313:


Gruß Timo
Viele Grüße Timo

----------------------

Becken 90x80x60 // Pacific Sun Hypersion S2 2x75W LED 4x39W T5 // Bubble Magus Curve 7 // 2x Vortech MP40wQD // Vectra S1 // ATI 6-Fach Dosieranlage
Versorgungssystem : Balling Light

Redrock

Schüler

Beiträge: 235

Aktivitätspunkte: 1330

Danksagungen: 58

  • Nachricht senden

3

Sonntag, 15. März 2015, 13:20

Sieht super aus. Hätte ich die Anleitung mit den viertelrund Stäben ein halbes Jahr früher gehabt wäre es sicher ein marinus 60 geworden.

Gruß

Alex

Ähnliche Themen

Verwendete Tags

Dennerle, Marinus, Selbstbau, Unterschrank

Social Bookmarks

Counter:

HTML Editor - Full Version
Hits heute: 14 759 Klicks heute: 42 929
Hits pro Tag: 19 693,08 Klicks pro Tag: 48 107,29